Lastverschiebung verstehen und Potential berechnen

Erfahren Sie, wie Lastverschiebung funktioniert, worauf Sie achten sollten und wie sich Ihr Potenzial berechnen lässt!

Lastverschiebung (alternativ Lastflexibilisierung oder Demand Side Management (DSM)) bezeichnet die gezielte Steuerung des Stromverbrauchs, um Energie dann zu nutzen, wenn sie besonders günstig oder ausreichend verfügbar ist. Dabei wird der Verbrauch nicht reduziert, sondern zeitlich verschoben. Dieses Prinzip spielt eine immer größere Rolle bei der Nutzung erneuerbarer Energien und bei dynamischen Stromtarifen. Durch Lastflexibilisierung können Haushalte Stromkosten senken, das Stromnetz entlasten und erneuerbare Energie besser nutzen.

Was bedeutet Lastverschiebung?

Bei der Lastverschiebung wird der Stromverbrauch in eine andere Zeit verlegt. Das Ziel ist, Strom dann zu nutzen, wenn

  • viel erneuerbare Energie verfügbar ist

  • der Börsenpreis niedrig ist

  • das Stromnetz wenig belastet ist

Typische Beispiele:

  • Elektroauto nachts laden statt abends

  • Wärmepumpe früher starten lassen

  • Batteriespeicher bei günstigen Preisen laden

  • Waschmaschine mittags statt abends laufen lassen

Der Gesamtverbrauch bleibt gleich, aber die Kosten können sinken.

Warum wird Lastflexibilisierung immer wichtiger?

Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie schwankt die Stromerzeugung stark. Es gibt Zeiten mit sehr viel Strom und Zeiten mit wenig Strom. Früher wurde Stromproduktion an den Verbrauch angepasst. Heute muss der Verbrauch stärker an die Produktion angepasst werden.

Gründe für Lastflexibilisierung:

  • mehr erneuerbare Energien im Netz

  • steigende Strompreise zu Spitzenzeiten

  • dynamische Stromtarife

  • begrenzte Netzkapazitäten

  • gesetzliche Vorgaben zur Netzstabilität

Lastflexibilität hilft, das Stromnetz stabil zu halten und Kosten zu senken.

Wie funktioniert Lastflexibilisierung technisch?

Damit Stromverbrauch automatisch verschoben werden kann, werden steuerbare Geräte und ein Energiemanagement benötigt.

Typische Bestandteile:

  • Smart Meter (intelligenter Stromzähler)

  • Energiemanagementsystem

  • steuerbare Verbraucher

  • Internetverbindung und Schnittstellen

  • optional: dynamischer Stromtarif

Das Energiemanagementsystem entscheidet automatisch, wann Geräte laufen.

 

In den folgenden Diagrammen sehen Sie, wie das Laden eines E-Autos auf den aktuell erzeugten PV-Strom angepasst wird, oder alternativ auf Zeiten mit günstigem Börsenstrompreis verschoben wird (sofern ein dynamischer Stromtarif vorliegt).

Lastverschiebung unter Nutzung von PV-Strom

Lastverschiebung unter Nutzung dynamischer Stromtarife

Welche Geräte eignen sich für Lastverschiebung?

Nicht jeder Stromverbrauch ist flexibel.
Besonders geeignet sind Geräte mit hohem Verbrauch oder Speicherfunktion.

Gut geeignet:

  • Wärmepumpen

  • Elektroauto mit Wallbox

  • Batteriespeicher

  • Klimaanlagen

  • Warmwasserboiler

  • Geschirrspüler


Je mehr flexible Verbraucher vorhanden sind, desto größer ist das Einsparpotenzial. Das größte Potential bieten Elektroauto und Wärmepumpe.

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

Die Kosten für Lastflexibilisierung bestehen aus mehreren Bestandteilen:

  • Smart Meter / Messsystem: ca. 20–100 € pro Jahr

  • Energiemanagementsystem und Steuerung: ca. 200–1500 €

  • Installation und Einrichtung

  • Steuerbare Geräte und Schnittstellen

  • ggf. dynamischer Stromtarif

Je nach Ausstattung können einmalige Kosten entstehen, aber auch laufende Gebühren für Software oder Messstellenbetrieb.

Komplettlösung oder einzelne Komponenten?

Komplettlösung durch einen Anbieter

Dabei werden mehrere Komponenten zusammen installiert:

  • Photovoltaikanlage

  • Batteriespeicher

  • Wärmepumpe

  • Wallbox

  • Energiemanagementsystem

Vorteile:

  • alles aufeinander abgestimmt

  • einfache Steuerung

  • weniger Konfigurationsaufwand

  • oft bessere automatische Optimierung

Nachteile:

  • höhere Kosten

  • weniger flexibel bei Herstellerwahl

  • Abhängigkeit von einem Anbieter

Individuelle Lösung mit eigenem EMS

Hier werden Geräte verschiedener Hersteller kombiniert.

Vorteile:

  • mehr Freiheit bei der Auswahl

  • oft günstiger möglich

  • flexibel erweiterbar

  • geeignet für technisch versierte Nutzer

Nachteile:

  • höherer Planungsaufwand

  • mehr Konfiguration nötig

  • Kompatibilität beachten

  • nicht jede Kombination funktioniert automatisch

 

Wie hoch ist das Einsparpotenzial?

Das mögliche Einsparpotenzial hängt stark vom Nutzungsverhalten ab. Typische Einflussfaktoren sind:

  • Höhe des Stromverbrauchs

  • Anteil steuerbarer Geräte

  • Nutzung eines dynamischen Stromtarifs

  • Größe der PV-Anlage

  • Vorhandener Batteriespeicher

  • Ladeverhalten beim Elektroauto

Typische Einsparungen liegen bei ca. 3–10%. Mit hoher Flexibilität können 15 % oder mehr erreicht werden. Ohne flexible Verbraucher ist das Potenzial dagegen meist gering.

Gibt es Nachteile oder Risiken?

Lastflexibilisierung hat Vorteile, aber auch Einschränkungen.

Mögliche Nachteile:

  • höhere Anschaffungskosten

  • technische Komplexität

  • Abhängigkeit von Software und Internet

  • nicht jeder Verbrauch ist verschiebbar

  • Das E-Auto könnte noch nicht vollständig geladen sein, wenn es außerplanmäßig früher wieder benötigt wird (hierzu müssen robuste Angaben im Energiemanagementsystem vorgenommen werden)

Warum eine individuelle Auswertung sinnvoll ist

Ob sich Lastflexibilisierung lohnt, hängt stark vom eigenen Haushalt ab.

Wichtige Fragen:

  • Wann wird wie viel Strom verbraucht?

  • Welche Geräte sind steuerbar und können flexibel genutzt werden?

  • Gibt es eine PV-Anlage und eine Batteriespeicher?

  • Wird ein dynamischer Tarif genutzt?

  • Wie hoch ist der Gesamtverbrauch?

Erst mit einer konkreten Auswertung lässt sich realistisch berechnen, ob sich die Investition lohnt und wie hoch die mögliche Einsparung ist. Eine pauschale Aussage ist nicht möglich, weil jeder Haushalt ein anderes Nutzungsprofil hat. Genau deshalb empfehlen wir, vorab immer eine individuelle Analyse durchführen zu lassen.